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Palästinalied-Projekt

Palästinalied-Projekt

Van Langen

Releasedate:

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AudioTracklist

  1. Musikantentheater Dingo - 0:44

  2. Van Langen - 1:15

  3. Mediaeval Babes - 0:36

  4. Engelsstaub - 1:17

  5. Van Langen Project - 0:38

  6. Galahad - 1:14

  7. Saltarello -1:21

  8. Shadowland - 1:14

  9. Finisterra - 1:28

  10. Furunkulus Bladilo - 2:32

  11. Ensemble Alte Musik - 3:13

  12. Die Streuner - 1.24

  13. Poeta Magica - 2:31

  14. Alavia - 1:20

  15. Mothwing - 1:31

  16. Maiana Dzus and Ukrainian Vocalists - 1:13

  17. D'Arcardia und Mandragora - 1:27

  18. Faun - 1:33

  19. Corvus Corax - 2:07

  20. Tanzwut - 2:10

Das wohl bekannteste Lied des Mittelalters, interpretiert von aktuellen Künstlern der Szene

Videoplayer

Das hier vorliegende Palästinalied-Projekt vereint eine grosse Visionen, ein musikalisches Kunstwerk zu schaffen, welches in seiner Art einzigartig ist. Zum ersten Mal in der Musikgeschichte wurden alle 13 Strophen des Palästinaliedes und zwei Strophen aus der Carmina Burana komplett aufgenommen. Eine Reihe national und international bekannter Musiker aus dem Bereich der historischen und der Independent Musik interpretieren jeweils eine Strophe des wather von der vogelweide klassikers. Keiner der teilnehmenden Künstler hatte Zugriff auf die Bearbeitung der anderen Interpreten und so entstand ein facettenreiches und abwechslungsreiches Gesamtbild. Die langwierige und mühselige Arbeit des Zusammensetzens der einzelnen Musikbeiträge wurde mit viel Feingefühl vorgenommen und das Ergebnis ist wirklich groß- und wahrlich einzigartig.


Die historische Situation

Die Kreuzzüge, “bewaffnete Pilgerfahrten” westeuropäischer Christen nach Jerusalem hatten in den letzten Jahren des 11. Jahrhunderts zur Eroberung des Heiligen Landes Palästina aus den Händen der vermeintlich “Ungläubigen” und zur Gründung des Kreuzfahrerkönigreiches Jerusalem geführt. Zur Entstehungszeit des Palästinaliedes, mehr als ein Jahrhundert später sind die Christen des Heiligen Landes längst in der Defensive: Jerusalem selbst ist 1187 an den Ayubitensultan Saladin verlorengegangen und die Reste christlicher Herrschaft in den Küstenstädten wie Akkon, Tyrus oder Jaffa, dem heutigen Tel Aviv, halten sich nur noch aufgrund des zähen Widerstands der geistlichen Ritterorden der Tempelritter, Johanniter und Deutschritter. Auf päpstliches Betreiben hin hat der spätere römisch-deutsche Kaiser Friedrich II. von Hohenstaufen am Tage seiner Aachener Königskrönung im Jahre 1215 das Kreuz genommen und geschworen, Jerusalem für das Christentum zurückzuerobern. Mehr als ein Jahrzehnt ist vergangen, als Friedrich daran denken kann, seinen Plan in die Tat umzusetzen. Kreuzzugsprediger ziehen im Auftrag des Papstes durch Deutschland wie seit mehr als einem Jahrhundert, die Menschen zur Unterstützung dieses “Heiligen Krieges” gegen die Muslime aufzurufen.

Der Dichter

Doch auch Friedrich II. selbst ist nicht untätig. Walther von der Vogelweide befindet sich in den Diensten des Staufers, das jetzt alternde einstige ‘enfant terrible’ des Minnesangs. Neben seiner für die “klassische Zeit” der Minnedichtung revolutionär realistischen Liebeslyrik hatte Walther ein zweites Genre im Grunde überhaupt erst geschaffen, die “Sangspruchdichtung”, locker aneinandergereihte Sprüche zu weltlicher, oft politischer Thematik. Zunächst hat Walther für Friedrichs Onkel Philipp von Schwaben, dann für dessen welfischen Todfeind Otto IV. gedichtet, zwischendurch auch für diverse deutsche Landesfürsten, bevor er bei seinem derzeitigen Brotgeber gelandet ist. An diesen aber binden ihn doch ungleich festere Bande, hat Friedrich dem moribunden Propagandisten doch ein Lehen zukommen lassen, wohl ein kleines Landgut, von dessen Einkünften er auf seine alten Tage gut leben kann. Ob dieses jedoch mit dem “Vogelweidehof” nahe Würzburg zu identifizieren ist, wird von der Forschung allgemein bezweifelt. Mit dem Kreuzzugsgedanken hat sich Walther in diesen Jahren schon verschiedentlich beschäftigt, so in seinem “Kreuzlied” und sogar in der berühmten Elegie “ouwe war sint verswunden alliu miniu jar!”

Das Lied

Als deutlichstes Dokument seines Einsatzes für den kaiserlichen Kreuzzug ist aber lange Zeit eben das Palästinalied in Anspruch genommen worden, mit dem nach Ansicht der älteren Forschung deutsche Ritter für die Teilnahme an Friedrichs Orientunternehmen begeistert werden sollten. Gerade hier ist man sich aber heute gar nicht mehr so sicher. In der Strophe „Kristen, juden, heiden“ führt Walther ausdrücklich die Ansprüche aller drei Religionen auf das Heilige Land an, ja, die Dreizahl der Religionen korrespondiert im Text geradezu mit der Heiligen Dreieinigkeit. Vom Nathan in Lessings Ringparabel trennt Walther dann allerdings das Ergebnis, daß der christliche Anspruch eben doch als einziger „reht ist“. Dennoch ist vermutet worden, Walthers in Anbetracht der Zeitumstände relativ moderater Tonfall gegenüber den nichtchristlichen Religionen sei auf der einen Seite auf das weltoffene Klima am Hofe Friedrichs zurückzuführen, der die kulturellen Errungenschaften der Juden wie der Muslime eingestandenermaßen liebte, auf der anderen Seite aber auf die Tatsache, daß es Friedrich im Jahre 1229 schließlich gelungen ist, Jerusalem auf dem Vertragswege und ohne einen einzigen Schwertstreich wieder in christliche Hand zu bekommen. Das Palästinalied wäre demnach erst nach dem Kreuzzug entstanden zur Rechtfertigung für das in Teilen der Christenheit monierte Ausbleiben eines Massakers an den “Ungläubigen”. Die Stichhaltigkeit dieser Argumentation zu bewerten, ist hier nicht der Ort, aber schon die Vorstellung hat etwas ungemein Faszinierendes: Ein Lied, entstanden als Rechtfertigung für eine Verständigung zwischen den Religionen in einer Zeit des Hasses wird nach Jahrhunderten neu interpretiert als Zeichen der Hoffnung, daß endlich Frieden sein möge in jenem Land, das so viele Menschen das “Heilige” nennen.